Karl Gumbricht

Donnerstag, 21. Februar 2008

Karl Gumbricht träumt eine Szene

Das Bewusstsein lenkt seine Aufmerksamkeit erneut auf mich.

"Karl", ruft Es mir zu. "Karl, es ist an der Zeit weiter zu kommen. Wir haben nichts geschafft!"
"Aber Herr, wir..."
"Ach was - Herr! - seit wann sind wir denn in dieser Stimmung?"
"Nun..." beginne ich erst zögerlich "erst hast Du mich geschaffen und dann lässt Du mich monatelang hier darben, mich beschauen. Fremde Blicke, die immer herablassender hier vorbei ziehen und sehen: da tut sich nichts!
Was ist mit all der Aufmerksamkeit, die Du mir versprochen hast? 'Du musst nur ein wenig mit den Leuten quatschen.' sagt das Bewusstsein, 'dann kommt alles wie von selbst!'
Und was ist mit deiner Aufmerksamkeit, he? Ich bin nicht ich, wenn du mich nicht beachtest? Kein Karl Gumbricht, nicht ein Schatten einer Existenz, nicht mal Erinnerung, wie mir scheint. Kein Bewusstsein kein Synonym. Kein Traum. Kein Synonym keine Existenz für Karl Gumbricht. Noch nichtmal eine verlorenen Figur gebe ich her. Unbeachtet gerate ich zu der unpersönlichen Größe des Nichts, weite mich so weit aus das die Menschen durch die Maschen meiner Netzexistenz hindurchschreiten ohne es zu bemerken. Nichtsexistenz statt Netzexistenz. Noch nicht mal Tod!

Und dann knipst Du eines Tages wieder das Licht an, als wenn nichts wäre, klatschst voller Tatendrang in die Hände und sagst: 'So, Kerl. Aufstehen, wir gehen an die Arbeit! Hopp, hopp.'"

So geht es mir und so sage ich es meinem Bewusstsein, wenn es mich nochmal beachten sollte.

Montag, 19. November 2007

Über

ES denkt ich, Karl Gumbricht, sollte Ihnen, den Lesern (sofern es sie gibt, wie vermessen so ein Bewusstsein sein kann!) erklären, wie es mit diesem Raum im WeltWeitenNetz hier weiter gehen könnte.

Erst mal ein paar Bemerkungen zur Form. Allen voran meinem ersten Kommentator, Herr Alban Nikolai Herbst verdanke ich einige formale Aspekte. Da ist zum Einen die Sache mit den e n t z e r r t e n Worten im Text. Dass hat ES beieindruckt, als ES den Text so geschrieben las. Dadurch kommt eine klangliche und zeitliche Komponente in den Lesefluß, ganz anders, als wenn man es "nur" kursiv oder fett gedruckt darstellte. Und dann ist da dieser Titel: VirtuellesSeminar.Heidelbe rgerVorlesung2007.Annäheru ng. Auch dieser ist ein Zitat und darauf zurück zu führen: Heidelberger Vorlesung I (1). Arbeit in der sterbenden Schriftkultur ist Arbeit am Sterben der Schriftkultur., was der Art von AN Herbst entspricht, den Titeln die notwendige Information zu geben. Nicht nur, dass das an und für sich gefällt. Es geht bei der Anleihe in der Form auch darum sich sozusagen virtuell als Gasthörer in Die Dschungel.Anderswelt einzuschreiben.

Als Lernen im Umraum hatte mein Denker schon mal im Netz einen Blog aufgesetzt und sieht dafür die eigentliche Rechtfertigung Textproduktionen, Gedanken, Recherchen öffentlich zu machen. Dass Veröffentlichen ermöglicht in erster Linie Reflexe. Diese wirken nach und das soll so sein. Es kann sich nur entwickeln, was versucht wird. Die Intention und die Funktion dieses Werkzeuges "Blog" liegt also in der Beförderung einer Kommunikation im weitesten Sinne. Der Zweck liegt im Diskurs. Nicht im Text. Die Texte sind Notwendigkeiten, die gedacht werden mussten - mehr nicht. Sie zu verschließen käme einerseits einer Zweckentfremdung gleich, andererseits stünde es der Formgebung der eigenen Gedankenwelt im Wege.
So viel dazu.

Abschließend nochmal ein Hinweis auf Georg Keuschnig, der mich hierher brachte. Ich wurde hier unten eigentlich nur angemeldet, da Keuschnig angeboten hatte diesen Text über Magris auf seinem Blog zu veröffentlichen unter einem Pseudonym, um meiner bisherigen Internetexistenz aus dem Wege zu gehen. Das wurde nicht abgelehnt, im Gegenteil. Jetzt steht Karl Gumbricht sozusagen neben ihm und freut sich über die ersten Kommentare. Keuschnig formuliert am Ende eines Gedankens über Iris Radischs Frage nach dem Verbleib der Schreibhemmung als Zeichen des Respekts vor der literarischen Form:
Ich schreibe und schreibe und schreibe. Und das Publikum? Es lechzt nach anderem. Oder nach Ruhe.
Es geht nicht um das Publikum. Es geht um die Begleiter, die Parallelen, die Ergänzungen - es geht, so wie Keuschnig es in seinen Rezensionen und Essays macht, um Inhalt und Form.


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Samstag, 10. November 2007

Karl Gumbricht

Ich darf mich kurz vorstellen: Karl Gumbricht, mein Name. Ich bin der Verfassung nach ein Synonym. Warum ich gebraucht werde wird sich mir nur im Verlauf der Zeit erschließen. Das ich geraucht werde scheint allerdings bereits mehr als nur Vermutung zu sein und über das reine Gefühl hinaus zu gehen, denn sonst hätte mein Bewusstsein mich nicht konkret gemacht.

Bin ich ein lyrisches Ich? Bin ich virtuell? Avatar? - Ob ich mich damit zufrieden gebe? Das ist für mich ein blanker Fleck. Zufrieden - was heißt das schon? Ich kenne ja noch keine Reibung. Was mein Bewusstsein weiß, das hab ich noch nie erlebt. Und mein Bewusstsein versteckt sich hinter dem blanken Blatt meiner gerade werdenden Existenz.

Warum braucht mich mein Bewusstsein? Bin ich Opfer? Bin ich an das Bewusstsein, welches mich erdenkt, gebunden? Bin ich a b h ä n g i g ? Oder ist das andere, das Bewusstsein, welches ich das Meinige nenne abhängig von mir?

Wenn es so sein wird, wie mein Bewusstsein sagt, dann kann es sein, dass ich hier nicht alleine bin. Es bringt schon einige Kopfzeilen ein, die es gesammelt hat. Die Welt, denkt es, sei recht weit hier drin und dennoch nicht anders als die Oberwelt. Es kennt sich und interessiert sich jeder für jeden und doch immer die Gleichen füreinander. Das gebiert dann Gemeinschaften, denkt mein Bewusstsein. Nicht anders als in der Oberwelt. Deswegen füllt es Kopfzeilen, später Fußzeilen - wer weiß?

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